Bearbeitungstechniken

 

 

Formung am Schmelzofen durch Glasmacher: Verarbeitung von ein- oder mehrfarbigem, heißem Glas. Applizierungen durch Aufschmelzen von Nuppen oder Glasfäden ("Auflagen"), Anschmelzen von Füßen etc. Ausziehen dünner, farbiger Auflagen mit einem spitzen Eisen zu gefiederten Mustern.

Einstechen von Luftblasen mittels eines in Wasser getauchten Nagels oder Hölzchens (Verdampfung im Glas). Blasen und Bearbeiten niedrigschmelzenden Glases durch Glasbläser "vor der Lampe" statt am Ofen (=Gebläselampe; Blasebalg) Heimarbeit. Leicht erweichbare Schmelze durch Tonerdezusätze: Kein Kristallisieren, keine Entglasung bei erneuter Erhitzung.

Da das Umpicken entfällt, fehlt ein Abriss. Verarbeitung - vielfach von Farbglas - durch Aufblasen und Anschmelzen. Nadeln und Zangen als Arbeitsgeräte. Angewandt in Venedig: seit dem 17. Jh. in Deutschland. Auch Glasspinnen in Form ausgezogener Fäden.

Warme und kalte Veredelung innerhalb der Glashütte:


Marmorierung der Masse durch Verschmelzen und Verrühren verschiedenfarbigen Glases.

Fadenglas: Streifige Musterung durch Aneinanderschmelzen farbiger Stäbe oder von parallel
geführten oder genetzten Fäden, z. B. als Milchglaseinlage. Gedrehte Muster durch Tordieren der Glasblase.

Eisglas: Eisartige Craquelé. Entweder erzielt durch Abschrecken der Masse in kaltem Wasser oder durch Rollen des Kölbels auf - auch farbigen - Glassplitter mit anschließendem Verwärmen.

Überfang verschiedenfarbiger Glasblasen vor dem Glasofen; als Innen- oder Außenüberfang. Kameoglas.

Veredelungsmethoden außerhalb der Glashütte:
Diamantgerissene, lineare Verzierung des kalten Glases; ab 1534, - Diamant- und Stahlpunktierung.

Bemalung

  1. Kaltmalerei. Kalt aufgemalte Ölfarben mit Harzzusätzen. Kein Aufbrennen.
  2. Wenig beständig.
  3. In kleinen Muffelöfen (in Vedendig; innerhalb der Hütte) aufgebranntes
  4. Gold oder Silber. Auch als Einlage. Zeichnung durch Gravierung, Glanz durch schwaches Polieren. Empfindlich gegen mechanische Einflüsse.
  5. Aufgebrannte Schwarzlotmalerei. Stumpfe Oberfläche. Relativ unempfindlich.
  6. Mit dem Pinsel aufgetragene und in einem Muffelofen bei ca. 500°C aufgebrannte, opake Emailfarben aus färbenden, auch trübenden Metalloxiden. Flußmittel: Quarz und Pottasche. Unlöslich.
  7. Transparente Emailfarben: Durch größeren Anteil von Flußmitteln als bei Emailfarben.

Glasschliff: Radschliff am kalten Glas. Abschleifen von Facetten; Einschleifen z. B. von Muscheln oder Kugelungen. Anpressen des Glases an große, waagrecht schnell rotierende Eisenscheiben (für alle ebenen Glasflächen). Antrieb durch Radzieher am Schwungrad oder mechanisch
durch Wasserkraft. Bearbeitung unter Verwendung von Schleifpulver ( Sand, Schmirgel) und Wasser.
Zierschliff an den Kanten großer, senkrecht laufender Stein- und Holzräder.

Abstufungen: Rauh- oder Grobschliff, Rein- oder Klarschliff. Polieren und Blänken durch Bimsstein. Zinnasche, Kork, Filz, Leder sowie Blei- oder
Holzscheiben. Einteilung der Werkleute in Eckigreiber/Facettenschneider und Kugler
(Kugeln und Oliven).

Schliffformen: Arkaden-, Augen-, Brilliant-, Flächen-, Haar-, Hohl-, Keil-, Kugel-. Oliven-, Ornament-Rauten-, Schäl-, Stern-, Strahlen-, Turban-, Waben- und Walzenschliff. Steinelungen, Brilliantierung.

Glasschnitt: Radschnitt am kalten Glas mit kleinem und deshalb mobilem, relativ langsam rotierendem Schneidgerät.
Tiefschnitt: Versenktes Eingravieren ("Schneiden") von Dekormustern durch ein mittels einer
Tretvorrichtung angetriebenes, horizontal rotierendes Kupferrädchen unter Verwendung von Öl
und Schmirgel.

Das Glas wird -bei eingeschränkter Sicht- frei von Hand gehalten und nach Augenmaß
verziert; allenfalls Andrücken einer Zeichnung oder eines Kupferstichs an die Innenwandung
des Glases. Stets Mattschnitt. Halbmatter Schnitt durch Einsatz von Holzrädchen.

Polierter Schnitt durch Verwendung von Bleirädchen.
Gerutschter Mattschnitt: Flaches Aufrauhen der Oberfläche statt Einschneiden von Dekor.
Hochschnitt: Mühsames, schleifendes Abtragen des Reliefgrundes; nur bei Kreide- und
Bleiglas anwendbar. Entspricht der Kameotechnik des Steinschnitts, war ebenfalls Hofkunst.
Erste wassergetriebene Schleifwerke in Schlesien (ab 1680), Potsdam (1687), Kassel (Ende 17 .Jh.)und Dresden (1697).